Gefragt, geantwortet: Interview mit Oliver Oehms

10.07.17

GESALO-Delegierter Oliver Oehms äußert sich während den von der IHK Hannover organisierten individuellen Beratungen von Unternehmern aus Niedersachsen gegenüber der DAG zur wirtschaftlichen Situation.

 

Deutsch-Arabische Gesellschaft: Was sagen Sie deutschen Unternehmern, die in Saudi-Arabien investieren wollen?

Oehms: Das Investitionsklima in Saudi-Arabien ist nach wie vor komplex, wie es auch die Bundeskanzlerin und ihre Wirtschaftsdelegation vor wenigen Wochen gegenüber dem König zur Sprache gebracht haben – gleichwohl merken wir, dass der Druck auf internationale Unternehmen steigt, sich stärker vor Ort zu engagieren. Das große Stichwort ist jetzt nicht nur Saudisierung, sondern vor allen Dingen auch Lokalisierung. Dieser Druck kommt auch bei den saudischen Unternehmen an, die in der Vergangenheit sehr häufig Importgeschäfte betrieben haben - auch als Partner von deutschen Exporteuren - sodass auch diese saudischen Unternehmen uns jetzt ansprechen, weil sie auf der Suche nach deutschen Unternehmen sind, die sich als Technologiedienstleister und -lieferanten möglicherweise als Joint Ventures mit diesen Familienunternehmen engagieren. Insofern gehe ich fest davon aus, dass wir mehr deutsche Unternehmen vor Ort sehen werden, denn da kommt man einfach nicht drum herum, wenn man in Saudi-Arabien Geschäfte machen will.

DAG: Wie stehen die saudischen Unternehmen zur Vision 2030?

Oehms: Wir hatten eine Phase des Innehaltens nach der Veröffentlichung der Vision 2030 im April 2016, aber seit November bzw. Dezember 2016 haben die saudischen Unternehmen in der Tat in einen „Aktivmodus“ umgeschaltet. Unternehmen fragen uns, welche Technologien sie aus Deutschland bekommen können, um ihren Beitrag für die Vision 2030 zu leisten. Das hat sich in den letzten Monaten weiter verstärkt und die Unternehmen sprechen uns an, weil sie auf der Suche nach deutschen Partnern sind. Dies war auch ein Motiv dafür, dass wir eine solch große Delegation auf die Hannover Messe 2017 geschickt haben.

DAG: In den Medien hört man kaum Reaktionen von Konservativen auf die Vision 2030. Haben Sie da etwas gehört?

Oehms: Ich habe vor Ort auch nichts gehört. Aber es ist augenfällig, dass viele Dinge, für die Saudi-Arabien in der Vergangenheit möglicherweise bekannt war, von der Bildfläche verschwunden sind. Das war eine bewusste Entscheidung des Königshauses im letzten Jahr und an diesem Status hat sich nichts geändert. Auch das spricht dafür, dass die Unterstützung des Königshauses unverändert auch von der konservativen Seite vorhanden ist.

DAG: Was in der Vision 2030 über die Planungen für die saudischen Frauen steht, ist ja diametral entgegengesetzt zu dem, was Konservative wollen, wie sehen Sie das?

Oehms: Das ist korrekt und in der täglichen Praxis und in unserem täglichen Leben sehen wir, dass die Frauen sichtbar werden. Beispiel: Die Firma IKEA hat in Saudi-Arabien gerade eine sehr dynamische, expansive Phase durchlaufen, es gibt dort mittlerweile eine sehr hohe Saudisierungsquote und  sogar saudische Mitarbeiterinnen, die sichtbar im Verkauf arbeiten. Insgesamt also eine Entwicklung, die noch vor wenigen Jahren vollkommen unvorstellbar gewesen wäre.

Das Interview führte Barbara Schumacher, Beiratsmitglied der Deutsch-Arabischen Gesellschaft e.V.

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